Klimaherbst

Klimaherbst 2016

Konzept 2016

Zivilgesellschaftliches Engagement

Der Münchner Klimaherbst feiert 2016 Jubiläum: bereits zum zehnten Mal findet die Veranstaltungsreihe statt.

Initiiert im Jahr 2007 von einem Team der Münchner Volkshochschule hat sich der Münchner Klimaherbst zu einer der wichtigsten und am meisten beachteten Veranstaltungsplattformen für Nachhaltigkeitsthemen in München entwickelt. Er wird getragen von einem umfangreichen Netzwerk an Initiativen und Vereinen, Bildungseinrichtungen, Stiftungen und auch einigen Unternehmen sowie gefördert u.a. vom Referat für Umwelt und Gesundheit der Landeshauptstadt München.

Ziel ist es, jeweils im Herbst eines Jahres, nach Ende des Oktoberfests, ab dem 04. Oktober, über einen Zeitraum von knapp einem Monat, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger Münchens, Jung wie Alt, für das Thema „Klimawandel und Klimaschutz“ zu sensibilisieren.

cool bleiben: auf geht´s!
Gemeinsam handeln für Klimaschutz

so lautet das Motto des diesjährigen Klimaherbstes.


 

„Die COP und wir“

I.„Die COP“

Am 12. Dezember 2015 ging die 21. UN Klimakonferenz erfolgreich zu Ende. Trotz erheblicher und auch begründeter Zweifel, ob sich die über 190 Delegierten auf ein Folgeabkommen zum Kyotoprotokoll von 1995 einigen werden, gelang eine Einigung mit ambitionierten Zielen.

Folgende Beschlüsse wurden gefasst:

1. Die nationalen Zusagen zur Reduktion der Treibhausgase

Über 180 Länder hatten bereits im Vorfeld ihre Zusagen zur Reduzierung ihrer CO2-Emissionen gemacht. Doch das reicht nicht aus, da wir trotz der Einhaltung dieser Zusagen dennoch auf eine Erwärmung von 2,7 Grad zusteuern würden.

 

2. Der Temperaturanstieg soll auf 1,5 Grad beschränkt werden

Ursprünglich hatten die Länder sich auf 2 Grad Erderwärmung bis 2100 (vgl. zur Temp. vor der Industrialisierung) geeinigt. Dass sich die Länder auf einen Zielwert weit unter den 2 Grad einigen, war vor wenigen Monaten noch undenkbar. Nun bleibt die Frage, wie das 1,5 Grad Ziel erreicht werden kann.

 

3. Langfristig soll es keine Nettoemissionen mehr geben

Die Staaten haben zugesichert 2050 – 2100 ihre Treibhausgasemissionen zu eliminieren. Von Dekarbonisierung allerdings wurde nicht mehr gesprochen. Es reicht also, CO2-Emissionen zu kompensieren oder das CO2 zu speichern.

 

4. Prüfung über die Einhaltung der verbindlichen Ziele soll alle 5 Jahre stattfinden

Via Satelliten-Screening sollen alle Länder überprüft werden, ob sie ihre Zusagen einhalten. Die erste Überprüfung ist für 2023 angesetzt.

 

5. 100 Milliarden Dollar für den Klimaschutz

Die Klimafinanzierung soll bis 2020 auf 100 Milliarden angehoben werden. Die Unterstützung für Entwicklungsländer (Anpassungsstrategien, Erneuerbare Energie, etc.) wurde allerdings im unverbindlichen Teil des Abkommens festgehalten. Die Finanzierung der 100 Milliarden steht nicht.

 

Im Abkommen fehlen u. A.:
Ein Preis auf CO2, Kompensationszahlung für, vom Klimawandel besonders betroffene Staaten, verbindliche Dekarbonisierungsziele, Reduzierung der Luft- und Schifffahrtsemissionen.

Dennoch: Die Erwartungen wurden übertroffen. Delegierte aller Länder lagen sich in den Armen. Ende gut – alles gut?

Keineswegs!
Darüber, ob das – willkürlich gewählte – Zwei-Grad-Ziel bis 2100 eingehalten werden kann, bestehen schon lange erhebliche Zweifel, denn bei einem „Weiter-wie-bisher“ würde sich die Erde um bis zu 4 Grad erwärmen. Hehre Ziele, wie 1,5 Grad unter Punkt 2, sind natürlich begrüßenswert, dennoch bleibt die berechtigte Frage, wie diese erreicht werden sollen. Trotz der in Punkt 4 erwähnten Überprüfung, wurden beispielsweise keine Sanktionen bei Nicht-Einhaltung festgeschrieben.

Wie können die Ziele der COP21 dennoch gelingen?


 

II. „Wir“

Graphik zivilgesellschaftl. Engagement webNeben „Säule 1“, einer stringenten Klimaschutz Politik (Gesetzesänderungen, Umverteilung von Subventionen, etc.) und einer Neugestaltung der Wirtschaft, hin zu nachhaltigem Handeln, ist „Säule 2“, Bürger, die sich ihrer Verantwortung für die Allmende bewusst sind/werden, Ideen entwickeln und aktiv werden, ebenso wichtig zum Erreichen der Ziele der COP21.

Dadurch entsteht eine Wechselwirkung, also die konkrete Zusammenarbeit von Politik/Verwaltung/Wirtschaft und Bürgern. Es wäre wünschenswert, würde die Politik weitere konkrete Anreize schaffen, um Bürgerliches Engagement für Klimaschutz zu unterstützen und zu fördern.

Nur durch das Realisieren der gemeinsamen Verantwortung für Mensch und (Um)welt, kann die globale Herausforderung des Klimawandels auf lokaler Ebene effektiv bewältigt werden.

Neben wirkungsvollem, „althergebrachtem“ politischen Engagement und klassischem Engagement in Umweltschutzvereinen ist eine neue Strömung entstanden, welche von Soziologen als der „neue DIY Urbanismus“ bezeichnet wird. Diese neue Strömung zivilgesellschaftlichen Engagements gilt es, von der Politik/Verwaltung zu erkennen und zu fördern.

„…Wir beobachten im DIY-Urbanismus […] eine Koevolution von zwei Modi der Sozialität: einerseits die smarte Konzept- und Plattform-Ebene, die dafür sorgt, dass die »passenden« Interessen zueinander finden (analog zur Partnersuche via Internet), und andererseits die Entstehung von neuen Orten und Öffentlichkeiten in der Stadt und mit direktem und klar gesetztem Bezug zu derselben. Diese neuen Verortungen sind in ihrer Wirkmächtigkeit nicht zu unterschätzen und widerlegen ganz konkret die Befürchtung des Verschwin­dens der Stadt in der Virtualität. Desgleichen widerlegen sie Diagnosen, dass Nutzer digitaler Medien sich in Couch Potatoes verwandeln würden. Es gibt stattdessen einen neuen »Einbruch« von Orten in die Stadt und ein neues Interesse an der Stadt als Polis, in der sich Bürger_innen nicht nur zu Wort melden, sondern ganz praktisch an elementaren Punkten Initiative ergreifen.“

Dr. Christa Müller und Dr. Karin Werner


„Zurzeit leben über 50 % der Weltbevölkerung in Städten, in Deutschland liegt der Anteil der Stadtbevölkerung bei knapp 75 %.  Städte entwickeln sich seit geraumer Zeit  zu neuen Keimzellen gesellschaftlichen Engagements insbesondere in den Bereichen Ernährung, Reparaturkultur oder der gemeinschaftlichen Nutzung des öffentlichen Raums.“

Dr. Christa Müller

Der Klimaherbst 2016 möchte Projekte des Gelingens im Klimaschutz vorstellen, zum „Mitmachen“ motivieren und sucht Antworten auf folgende Fragen:

  • Wie können wir uns gemeinsam und gleichberechtigt zu einer resilienten und nachhaltigen Gesellschaft entwickeln?
  • Welche (neuen) Formen zivilgesellschaftlichen Engagement gibt es und wie sehen diese aus?
  • Wie sehen die verschiedenen Möglichkeiten bürgerschaftlicher Partizipation aus und welche Rahmenbedingungen benötigt diese?
  • Wo gibt es erfolgreiche und übertragbare Beispiele von kommunaler und bürgerschaftlicher Zusammenarbeit?
  • In welchen Bereichen fehlt es an zivilgesellschaftlichem Engagement?
  • Wo kompensiert die Zivilgesellschaft das Versagen von Staat, Märkten und Regierungen?
  • Was kann „ich“ wo/wie/wann hier vor Ort tun?
  • Was bewegt/motiviert Menschen sich zu engagieren?
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