Klimaherbst

Medien 2014

Elmar Altvater

Es reicht.
Wie viel Haben braucht das Sein?

Seit zehntausend Jahren erleben wir Menschen eine für uns günstige Warmzeit. Sie ist „das Holozän“ genannt worden. Unsere Jäger- und Sammlervorfahren verwandelten sich unter den günstigen klimatischen Bedingungen in sesshafte Ackerbauern und Viehzüchter. Noch heute begeistern uns die Zeugnisse ihrer Zivilisationen. Auch die großen Religionen entstanden in dieser Zeit schon vor tausenden von Jahren. Mit ihnen erblühten Wissenschaft und Künste, auch die technische Rationalität machte Fortschritte. Sie erlaubte es, nicht nur die körpereigenen Kräfte einzusetzen, sondern Werkzeuge, Geräte, Gestelle zu bauen, die nicht mehr körpereigen, sondern selbständige Dinge waren. Die wurden zum Eigentum von Gemeinschaften und mehr und mehr auch von Einzelnen …

>> Download: Vorwort von Elmar Altvater (PDF, 90KB)


Impulse – Projekte und Konzepte

Gemeinwohl-Ökonomie
Alternative Unternehmenskonzepte
Seit 2010 entwickelt eine Gruppe von Organisationen, Politiker(inne)n, Privatpersonen und Unternehmen aus Österreich, Norditalien, Deutschland und der Schweiz ein alternatives Konzept zum vorherrschenden kapitalistischen Wirtschaftssystem: die Gemeinwohl-Ökonomie …

>> www.ecogood.org

 

Forschungsfeld Postwachstum
Initiativen im Austausch
Was bedeutet Postwachstum? Was gewinnt eine Gesellschaft, die auf Wachstum verzichtet? Was müsste sich in den Köpfen der Menschen ändern, um das stetige Streben nach Mehr auf Kosten unseres Planeten zu stoppen? Mit Fragen wie diesen beschäftigen sich Forschungsgruppen wie das „Kolleg Postwachstumsgesellschaft“ der Uni Jena und gemeinnützige Initiativen wie das Konzeptwerk „Neue Ökonomie“ in Leipzig oder der Verein „Fairbindung“ in Berlin…

>> www.kolleg-postwachstum.de

 

Internetplattform „Betterplace“
Spende Geld – oder Zeit!
Spenden muss nicht immer Geld geben bedeuten. Die deutsche Spendenplattform „Betterplace“ bietet die Möglichkeit, Projekte großer Hilfsorganisationen, aber auch kleinere Initiativen aus der Nachbarschaft mit Geld oder Zeit zu unterstützen…

>> www.betterplace.org

 

Ökodörfer
Gelebte Nachhaltigkeit
Ökodörfer und ökologisch-soziale Wohnprojekte haben seit einigen Jahren europaweit enormen Zulauf. Hier kommen Menschen zusammen, die bewusst nachhaltig und gemeinschaftlich leben zollen. Dezentrale Energieproduktion, biologisches Bauen sowie ökologische Landwirtschaft, faire ökonomische Tauschbeziehungen und eine lebendige Gemeinschaft sind die Pfeiler, die alternative Lebensgemeinschaften tragen…

>> www.siebenlinden.de

 

„Culinary Misfits“
Nicht nur die Harten kommen aus dem Garten
Man kennt sie, wenn überhaupt, nur aus dem eigenen Garten: krumme Gurken, „mehrbeinige“ Karotten, fleckige Äpfel – den Weg in unsere Supermärkte findet dieses nicht ganz perfekt aussehende Gemüse und Obst nämlich nicht. Obwohl 2009 die meisten speziellen EU-Vermarktungsnormen von Obst und Gemüse aufgehoben wurden, landen schätzungsweise bis zu 40 Prozent der europaweiten Ernten im Müll…

>> www.culinarymisfits.de

>> Download: weitere Impulse (PDF, 82KB)


Texte

Manfred Linz
Zur Notwendigkeit von Suffizienz
Ohne sie reicht es nicht

Ursprünglich als persönliche Lebenskunst verstanden gewinnt Suffizienz in der Gegenwart an öffentlicher Bedeutung. Für eine nachhaltige Entwicklung ist sie nämlich unentbehrlich. Da auf einen kulturellen Wandel kein Verlass ist, wird es zur politischen Aufgabe, Suffizienz durchzusetzen.
Angesichts der kontroversen Einschätzung der Suffizienz ist es ratsam, sich zunächst der Wortbedeutung zu vergewissern. (1) Das lateinische „sufficere“ bedeutet den Grund legen, zu Gebote stehen, genug sein, vermögen. Die englischen Wörter „sufficient“ und „sufficiency“ meinen etwas, das die Erwartungen erfüllt, Befriedigung schafft oder ermöglicht und genug ist. Mit keiner dieser Bedeutungen kommt Suffizienz in die Nähe des Kargen, des Kümmerlichen, gar des Mangels. Lange Zeit gehörte Suffizienz allein in die Sphäre der Lebenskunst. Ihre Ratschläge und Mahnungen waren an die Einzelnen gerichtet

>> Download: Mehr als nur weniger – Linz (PDF, 91KB)


Nico Paech
Maßvolle Lebensstile
Lob der Reduktion

Suffizienz ist das einfachste und notwendigste, zugleich aber auch das am wenigsten geliebte Nachhaltigkeitsprinzip. Dabei verhelfen begrenzende Handlungsmuster dem Individuum zur Souveränität: Wer die Angst etwas zu verpassen abschüttelt und sich der Möglichkeits- und Konsumflut entzieht, gewinnt Genuss und Glück zurück.
Simpler geht’s wirklich nicht: einfach jene Dinge weglassen, die ökologisch nicht verantwortbar sind, ohnehin kaum Glück stiften, Zeit in Anspruch nehmen, Platz beanspruchen und überdies Geld kosten. Suffizienz als Kunst der Reduktion ist unschlagbar günstig. Sie straft all diejenigen Lügen, die als Ausrede gegen Nachhaltigkeitsmaßnahmen deren vermeintliche Kosten ins Feld führen

>> Download: Lob der Reduktion – Nico Paech (PDF, 74KB)


Christian Baatz
Individuelle Verantwortung für Nachhaltigkeit
Wie groß muss mein Scherflein sein?

Sich für eine bessere Klimaschutzpolitik zu engagieren – dazu ist der Mensch aus moralphilosophischer Sicht verpflichtet. Schwieriger ist jedoch die Frage zu klären, in welchem Maß der einzelne seine privaten Emissionen zu verringern hat. Schließlich wohnt nicht jeder in Radentfernung von seiner Arbestelle. Viele der heutigen Umweltprobleme entstehen durch die Übernutzung natürlicher Systeme. Um die Umweltprobleme zu lösen, bedarf es daher Institutionen, welche deren Nutzung einschränken. In der Regel werden dabei vor allem Effizienz- und Konsistenzstrategien, weniger Suffizienzstrategien verfolgt

>> Download: Invididuelle Verantwortung für Nachhaltigkeit – Christian Baatz (PDF, 67KB)


Lars-Arvid Brischke
Potenziale im Energiebereich
Tschüss, 5.500-Watt-Gesellschaft!

Geräte voll auslasten, gemeinsam nutzen, in überdimensionierter Form erst gar nicht zulassen – es gibt viele Hebel, die den Energieverbrauch senken. Damit veränderte Konsummuster und Lebensstile helfen können, den Bedarf pro Kopf zu verringern, muss die Politik Energiesuffizienz endlich als ihre Aufgabe anerkennen. Die Entwicklung nachhaltiger Energiesysteme lässt sich nur durch eine globale Begrenzung der absoluten Endenergieverbräuche erreichen. Der Grund: Die heute bekannten Techniken zur Energiebereitstellung sind – unabhängig von den eingesetzten Primärenergieträgern – immer mit erheblichen Ressourcenverbräuchen und Umweltauswirkungen verbunden

>> Download: Petenziale im Energiebereich – Lars-Arvid Brischke (PDF, 74KB)


André Reichel
Maß haltendes Wirtschaften in Betrieben
Das Geschäftsmodell des Weniger

Unternehmen, die suffiziente Produkte und Lösungen anbieten, gehört die Zukunft. Sie verändern mit der Art des Wirtschaftens auch unsere Lebenswelt. Etablierte Firmen werden sich dem Sog der Suffizienz an der Schwelle zur Postwachstumsära nicht entziehen können. Suffizienz zielt zum einen auf die individuelle Ebene, zum anderen lässt sie sich auf der gesellschaftlichen Ebene als politischer Auftrag verstehen. Darüber hinaus kann Suffizienz auch ein bestimmtes soziales oder wirtschaftliches Engagement zur Beseitigung von Nachhaltigkeitsproblemen bewirken, das nicht mehr allein auf technologische Effizienzsteigerungen setzt

>> Download: Maß haltendes Wirtschaften in Betrieben – André Reichel (PDF, 76KB)


Uwe Schneidewind und Angelika Zahrnt
Politische Weichenstellungen
Jenseits der Steigerungslogik

Arbeit, Gesundheit und Verbraucherschutz sind nur drei Beispiele für Bereiche, in denen die Politik aktiv dazu beitragen kann, dass Menschen ein gutes Leben führen und mitgestalten können. Bislang geschieht das zu wenig, weil das Wachstumsmantra des Bruttoinlandsprodukts den Blick auf soziale und ökologische Notwendigkeiten verstellt. Moderne Gesellschaften bedürfen einer Orientierung am rechten Maß – einem rechten Maß für Zeit und Raum, für Besitz und Markt. Das „Immer weiter, immer schneller, immer mehr“ führt nicht nur zu einem wachsenden Umwelt- und
Ressourcenverbrauch, sondern zunehmend auch zu ökonomischer und sozialer Destabilisierung

>> Download: Politische Weichenstellungen – Uwe Schneidewind und Angelika Zahrnt (PDF, 84 KB)


Literaturempfehlungen

>> Download: Literaturempfehlungen (PDF, 58KB)

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Besonders möchten wir Ihnen die Ausgabe Vom rechten Maß – Suffizienz als Schlüssel zu mehr Lebensglück und Umweltschutz aus der Reihe politische ökologie des Oekom Verlages ans Herz legen. Viele der hier aufgeführten Texte sind in dieser Publikation erschienen.


Klimaherbst